GermanZero - Gemeinsam gegen die Klimakrise

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Foto: Jörg Farys

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die Bundesregierung geht mit unseren Steuergeldern um, als hätten wir keine Zukunft zu verlieren. Kurz nachdem die jüngste Hitzewelle im Juni über 5.000 Menschen das Leben kostete, hat sie am Mittwoch vergangener Woche einen Haushalt für 2027 beschlossen, der Klimaschutz nicht stärkt, sondern systematisch schwächt: bis zu 15 Milliarden Euro will Finanzminister Klingbeil über die nächsten Jahre aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) streichen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Die Förderung von Wärmepumpen, von denen viele bei Hitze auch als Klimaanlagen dienen können, wird bis 2030 um weitere 3,45 Milliarden Euro gekürzt. Und dann hat sie am Freitag im Bundestag das Gebäudemodernisierungsgesetz durchgedrückt, das den Einbau von Gasheizungen noch fast 20 Jahre lang erlaubt und Bürger:innen und Kommunen zu Fehlinvestitionen verleitet. Diese Klimaschutz-Rückschritts-Politik der Regierung macht erschreckend klar: Unsere Zukunft ist Merz, Klingbeil und Co. offenbar egal.

Diese Beschlüsse dürfen es nicht gewesen sein. Der Haushaltsplan 2027 wird bis zum Herbst in Ausschüssen und Parlament verhandelt. GermanZero arbeitet deshalb mit Hochdruck daran, um in den nächsten Wochen und Monaten Protest zu formieren und Druck für eine zukunftsfreundliche Politik zu machen. So schnell wie möglich wirst du zu über gemeinsame Aktionen von uns hören.

In den Kommunen wird sichtbar, wenn man an der falschen Stelle spart

Wie fatal eine Politik ist, die beim Klimaschutz spart, statt investiert, wird in unseren Städten und Gemeinden besonders deutlich. Sie sind der Schlüssel zur Klimaneutralität, denn hier wird Klimaschutz umgesetzt und für die Menschen erfahrbar: ob Wärmewende, kühlende Bäume, energieeffiziente Schulen oder sichere Radwege. Studien zeigen: Klimaschutz steigert die Lebensqualität. Doch während die Aufgaben der Kommunen wachsen, wird das Geld knapper – mit fatalen Folgen.

Vertrauen in die Demokratie bröckelt  

Wenn Kommunen Straßen nicht reparieren können, Schwimmbäder schließen und Buslinien streichen müssen, leidet das Vertrauen in den Staat. Klimaschutz darf kein Luxus sein: Wenn keine bezahlbaren Alternativen zum Auto geschaffen werden oder Mieter:innen in unsanierten Wohnungen frieren, verlieren die Bürger:innen die Zuversicht, dass die verantwortlichen Institutionen für unser Wohl sorgen können. "Die Menschen […] erleben den Staat vor Ort und leider immer öfter, dass viele Dinge vor Ort nicht mehr funktionieren", erklärte etwa jüngst der Landrat des Kreises Steinburg." Sie sehen ein Staatsversagen – und das ist am Ende demokratiegefährdend."

Klimaziele rücken in weite Ferne

Ohne Investitionen in Fernwärme, Sanierung und Mobilität verfehlt Deutschland seine Klimaziele – und riskiert EU-Strafzahlungen von bis zu 100 Milliarden. GermanZero hat deshalb gemeinsam mit der Klima-Allianz Deutschland eine Studie in Auftrag gegeben, die klar benennt, wie viel Geld den Städten und Gemeinden für den Klimaschutz fehlt: 21–24 Milliarden Euro jährlich brauchen Kommunen, um zukunftsfähig zu werden. 21-24 Milliarden jährlich – dies ist die Messlatte für die Haushaltspolitik von Bund und Ländern. In dieser Größenordnung müssen sie ihre Förderprogramme ausweiten und die strukturelle Finanzierung der Kommunen verbessern.

Warum fehlt das Geld?

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung machte bereits im letzten Herbst die Schieflage deutlich: Kommunen müssen 25 Prozent aller staatlichen Ausgaben stemmen, erhalten aber nur 14 Prozent der Steuereinnahmen! Bund und Länder beschließen immer wieder kommunale Aufgaben, geben aber nicht das Geld dafür. Ein gutes Beispiel ist die Kommunale Wärmeplanung: 500 Millionen Euro stellt die Bundesregierung dafür bereit. Benötigt werden dem Deutschen Städtetag zufolge aber 2 Milliarden. Zu diesem strukturellen Problem kommt hinzu, dass die Ausgaben der Kommunen in den aktuellen wirtschaftlichen Flaute stärker steigen als die Einnahmen.

Klimaschutz fällt hinten runter

Klimaschutz zählt – wie Sport oder Kultur – zu den freiwilligen Aufgaben, an denen die Kommunen als allererstes kürzen, wenn sie sparen müssen. Und so kommt die Zukunftssicherung in Zeiten klammer Kassen systematisch unter die Räder.

Das merken auch viele GermanZero-Aktive, die sich in mehr als 90 Städten und Gemeinden für Klimaneutralität einsetzen. Ihre Vorschläge werden zunehmend mit dem Verweis auf knappe Kassen abgebügelt, wie unsere Regionalmanagerin Nord, Ulrike Lenz, berichtet: “Immer mehr Kommunen beschließen keine vollständigen Klimaschutzkonzepte mehr und sagen: ‚Wir haben kein Geld, also nehmen wir maximal fünf Maßnahmen aus dem gesamten Konzept. Und die setzen wir nur dann um, wenn wir Geld haben.‘ ”

Doch die Bundesregierung schiebt die Verantwortung für Klimaschutz und Klimaanpassung immer wieder auf die Kommunen ab und behauptet, wie jüngst Umweltminister Schneider, ihnen stünde genügend Geld zur Verfügung. Das ist Verantwortungs-Ping-Pong, das nicht akzeptabel ist.

Bund und Länder müssen handeln

GermanZero sieht deshalb einen zentralen Hebel für die Klimaneutralität in der ausreichenden Finanzausstattung der Kommunen. Gemeinsam mit unseren Partnern aus der Zivilgesellschaft und in den Kommunen fordern wir die Vereinfachung und Ausweitung der kommunalen Klimafinanzierung.

“Die finanzielle Unterstützung der Kommunen durch den Bund ist entscheidend für die Gestaltung einer sicheren Zukunft,“ sagt Johann Stöcker, Referent im Team Klimafinanzierung bei GermanZero. “Wir setzen uns dafür ein, dass Klimaschutz und andere Modernisierungsbedarfe nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die kommunale Zukunft muss nachhaltig sein, sowohl mit Blick auf Finanzen als auch mit Blick auf Emissionen. Während der Haushaltsdebatten im Herbst werden wir uns dafür einsetzen, dass Klimaschutz nicht unter die Räder kommt.”

Wie wir für diese Zukunft kämpfen und was du dazu beitragen kannst, erfährst du in diesem Newsletter.

 

"Es inspiriert mich immer wieder zu sehen, wie viele unterschiedliche Menschen sich in unseren Lokalgruppen zusammenfinden, um gemeinsam etwas in ihrer Kommune zu bewegen."

Anne-Louisa Rymatzki, im GermanZero-Jahresbericht 2025

 
Knappe Kassen für Klimaschutz in den Kommunen

Studie: Finanzbedarfe der Kommunen

Trotz der zentralen Rolle der Kommunen bei der Umsetzung von öffentlichen Investitionen in den Klimaschutz gibt es bislang kaum systematische
Schätzungen zu deren öffentlichen Finanzbedarfen. Die Studie des FÖS trägt bisherige Studien und kommunale Schätzungen zu diesen Bedarfen zusammen. Um Vergleichbarkeit zu gewährleisten, fokussiert sie auf die Handlungsfelder Fernwärme, Sanierung kommunaler Gebäude und Mobilität. 

"Finanzbedarfe der Kommunen für Wärme, Gebäude und Mobilität" vom Forum Ökologische Marktwirtschaft im Auftrag von GermanZero und Klima-Allianz Deutschland.

Download (PDF)
 

"Eine lange Liste an ausgebremsten Klimamaßnahmen" 

Wo fehlt den Kommunen beim Klimaschutz das Geld – und was sollte die Bundespolitik dagegen tun? Wir haben beim Deutschen Landkreistag nachgefragt. Antwort gab uns Dr. Klaus Ritgen, Beigeordneter für Verfassung, Verwaltung, Bauen und Umwelt, verantwortlich unter anderem für die Themen Klimaschutz und Energiewende.

GermanZero: Herr Dr. Ritgen, in unserer Studie zeigt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS), dass die kommunalen Finanzierungsbedarfe für Fernwärme, Mobilität und Gebäudesanierung mit Bedarfen von 21-24 Milliarden Euro jährlich bisher deutlich unterschätzt wurden. Wie schätzen Sie diese Ergebnisse ein?

Die Studie unterstreicht, wie viel Geld die Kommunen in diesen drei Bereichen brauchen. In Bezug auf die Wärmewende ist der Finanzbedarf aus unserer Sicht regional sehr unterschiedlich. Ostdeutsche und ländliche Kommunen haben andere Bedarfe als (westdeutsche) urbane Zentren. Beispielsweise ist der Ausbau der Fernwärme in Ostdeutschland weiter vorangeschritten als im Westen. Außerdem beginnen viele kleine Kommunen gerade erst mit der Wärmeplanung, weshalb sich die zu erwartenden Kosten noch nicht beziffern lassen. 

Bei der Gebäudesanierung sehen wir einen höheren Finanzierungsbedarf als ihn die Studie beziffert – vor allem aufgrund von EU-Vorgaben zu Sanierungspflichten und kostenintensiven Vorgaben für Renovierungen und Neubauten im Gebäudemodernisierungsgesetz. Die Regierung rechnet hier mit 50 Millionen Euro pro Jahr, aber das scheint uns deutlich zu niedrig.

Beim ÖPNV tragen die Kommunen schon jetzt fast die Hälfte der öffentlichen Zuschüsse für den Nahverkehr – das waren 2024 rund 12,5 Milliarden Euro. Bis 2040 wird der Bedarf für Modernisierung noch stark steigen: Je nach Ambition braucht es jährlich bis zu 3,4 Milliarden Euro mehr. Wenn die Kommunen ihren bereits jetzt zu hohen Anteil behalten müssten, wäre das kaum stemmbar.

Welche wichtigen Klimaschutzmaßnahmen bleiben infolge der Finanzkrise der Kommunen aktuell auf der Strecke?

Die Landkreise sind zwar trotz zahlreicher Probleme äußerst aktiv, Klimaschutz, Naturschutz und Klimafolgenanpassung vor Ort zu gestalten, zum Beispiel durch eine effiziente Abfall- und Ressourcenwirtschaft, Hochwasserschutz oder Starkregenvorsorge. Dennoch ließe sich eine lange Liste an ausgebremsten Klimamaßnahmen erstellen. Offensichtlich ist, dass der Renovierungsbedarf bei öffentlichen Gebäuden enorm ist. Neben der Finanzkrise bremsen zusätzlich noch mangelnde Planungssicherheit und der Fachkräftemangel den Klimaschutz aus. 

Was sind die wichtigsten Forderungen der Kommunen an Bund und Länder, um die Erhöhung finanzieller Spielräume zu erreichen?

Angesichts des Finanzierungsdefizits von mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr bleiben den Städten, Landkreisen und Gemeinden kaum Spielräume für freiwillige Leistungen, zu denen auch Klimaschutzmaßnahmen zählen. Der Deutsche Landkreistag fordert von Bund und Ländern deshalb strukturelle Reformen, um die Kommunen finanziell zu entlasten. Drei Beispiele: Ein höherer Anteil an der Umsatzsteuer und an den Einnahmen aus der CO2-Bepreisung würde uns überhaupt erst Spielräume für Klimaschutz schaffen.

Zweitens sollten ländliche Kommunen direkt von den Gewinnen durch Erneuerbare-Energien-Anlagen profitieren. Das brächte Geld für die Sanierung von Kitas oder Schulen und würde die Akzeptanz von Windrädern und anderen Anlagen erhöhen.

Drittens hätte Klimaschutz als Pflichtaufgabe den Vorteil, dass Bund und Länder dann tatsächlich auch das Geld für die Aufgaben bereitstellen, die sie den Kommunen auferlegen. Allerdings schränken Pflichtaufgaben den kommunalen Spielraum ein; eine aufgabenangemessene allgemeine Finanzausstattung der kommunalen Ebene ist daher stets vorzugswürdig.

Welche Rolle können Bürger:innen und lokale Initiativen spielen, um Klimaschutz in finanzschwachen Kommunen voranzubringen?

Wer über finanzielle Spielräume verfügt, kann einen Heizungstausch oder die Installation einer Solaranlage erwägen und sich möglicherweise sogar an einer Bürgerenergiegesellschaft beteiligen. Zum anderen können sich auch Vereine auf bestimmte Förderprogramme bewerben. Die sind zum Teil auf finanzschwache Kommunen oder Regionen zugeschnitten, die vom Strukturwandel besonders betroffen sind. Die Förderquoten sind dabei sogar manchmal besser als bei Standardförderungen. Engagierte Bürger:innen können also mit lokalen Initiativen Gelder aus solchen Programmen erhalten und ihren Orten zugutekommen lassen.

Hilfe für Teamgründungen gesucht

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Trotz knapper Kassen sind unsere Städte und Gemeinden mit die wichtigsten Orte, an denen wir Klimaschutz bewegen können. Wir wollen deshalb noch viel mehr Lokalteams gewinnen.

Melde dich bei uns als Multiplikator:in und hilf mit minimalem Zeitaufwand dem Klima in deiner Kommune.

Wie das geht?

Mache in deiner Stadt oder Gemeinde Werbung dafür, dass Menschen ein LocalZero-Team gründen. Wir helfen dir mit Tipps und Material.

Warum das wichtig ist

Du weißt es selbst: Die besten Chancen, schnell gute Klimapolitik umzusetzen, liegen in den Kommunen. Dabei zählt jeder Ort! Mit nur ein paar Stunden Zeitaufwand kannst du helfen, dass wir dort sichtbar werden, wo wir noch nicht bekannt sind. Das hilft uns, neue Teams zu gründen. Damit Klimaschutz in ganz Deutschland Fahrt aufnimmt.

Wie kannst du helfen?

In 10 Minuten: Schnell weiterleiten: Du kennst ganz sicher klimaengagierte Menschen in anderen Städten. Teile unsere Landingpage mit ihnen und motiviere sie, mitzumachen!

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Wärmewende

Die Regierung verbrennt unser Geld. GermanZero am 9.7. vor dem Reichstag mit BUND, Campact, Greenpeace und Berliner Mieterverein. Foto (c) Jörg Farys

Geld verbrennen? Machte die Bundesregierung am vergangenen Freitag zur Chefsache. Sie drückte das Gebäudemodernisierungsgesetz durch den Bundestag – trotz massiver Kritik von Energie- und Chemieunternehmen, Normenkontrollrat, Verbraucherschützer:innen, Sozial- und Umweltverbänden.

Wir waren vor Ort und haben gemeinsam mit Verbündeten ein Zeichen gesetzt: Der Gesetzgeber muss endlich aufhören, fossile Heizungen künstlich am Leben zu halten – das heizt das Klima weiter auf und treibt Mieter:innen in die Gaskostenfalle.

In den letzten Monaten haben wir dazu eine Petition mit 120.000 Zeichner:innen gestartet, 15.000 Mails an Abgeordnete ermöglicht, Bürger:innen informiert und Haushaltspolitiker:innen von CDU und SPD in ihren Wahlkreisen besucht. Bezahlbares und sauberes Heizen treibt die Menschen um. Wir werden nicht müde, weiter für die Wärmewende zu kämpfen!

GermanZero in den Medien

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Pläne der schwarz-roten Koalition zu Kürzungen bei der Wärmepumpenförderung ab.

Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag von GermanZero.

sueddeutsche.de

Andrea Wörle, Leiterin Klimafinanzierung bei GermanZero kritisiert im Deutschlandfunk die Kürzungen bei den Mitteln zur Gebäudesanierung. Sie werden als wirtschaftlicher Anschub fehlen.

deutschlandfunk.de

GermanZero: Kürzungen im Haushalt sind eine "offene Kampfansage" an den Klimaschutz.

tagesschau.de

Eric Hartmann von GermanZero: „Dieses Heizungsgesetz von Wirtschaftsministerin Reiche ist ein Angriff auf das Klima und den Verbraucherschutz in Deutschland.“

taz.de
Jahresbericht 2025

Wie stellt man Klimaschutz stabil auf, wenn in Berlin die Klimapolitik ins Wanken gerät? Der GermanZero-Jahresbericht 2025 zeichnet nach, wie uns das in diesem Jahr des Umbruchs und der Widersprüche gelungen ist. Von der Freude über das Klimaschutz-Sondervermögen bis zum Schrecken der Rückschritte, zu denen Union und SPD bereits damals Anlauf nahmen.

2025 war ein schweres Jahr für den Klimaschutz. Umso mehr geht unser großer Dank an unsere ehrenamtlich Aktiven und unsere Förder:innen, Stiftungspartner und Spender:innen. Euer Einsatz und eure Unterstützung gibt uns die Zuversicht, dass wir auch unter schwierigen Bedingungen Erfolge erringen können!

Jahresbericht (PDF)
 
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