Vision: Energieversorgung im Jahr 2035

Deutschland unter Strom

Wagen wir gemeinsam einen Blick in die Zukunft der klimaneutralen Energieversorgung: In weniger als 14 Jahren hat Deutschland einen enormen Wandel gemeistert: Als erstes Industrieland haben wir heute eine zu 100 % erneuerbare Energieversorgung. Überall, wo früher „fossil“ drinsteckte, fließt heute grüner Strom. Eine gigantische Leistung!

Im Jahr 2035 sorgt Strom für die Wärme in Gebäuden, er bewegt den Verkehr und powert selbst die Schwerindustrie. Vor nicht allzu langer Zeit verbrannten diese Bereiche noch Kohle und Öl in unvorstellbaren Mengen. Jetzt funktionieren ihre Anlagen und Fahrzeuge ohne Treibhausgase elektrisch oder mit Wasserstoff.

Entscheidend war, dass die neue Regierung kurz nach der Bundestagswahl 2021 ein neues Energiegesetzbuch verabschiedete. Es löste das alte und nicht mehr effektive Erneuerbare-Energien-Gesetz ab und entwarf ein Zukunftsbild, an dem wir seitdem alle nötigen Investitionen ausrichten können.

100% erneuerbar als Chance

Heute zeigt sich: Der Beschluss der Regierung von 2022, bereits bis 2035 alle Bereiche der Gesellschaft mit erneuerbarem Strom zu versorgen, war vor allem eines: Ein JA zu einer einmaligen Chance, langfristig in die Zukunft zu investieren. Am Beispiel anderer Länder sehen wir, dass Fehlinvestitionen in fossile Technologien, die nun vom Markt gedrängt werden, Milliarden kosten, während Deutschland als Vorreiter für grüne Technologien den Gewinn seiner schnellen Energiewende erntet.

Die neue Regierung legte sofort die ambitionierten Ausbauziele fest, die für den Umbau nötig waren und schuf faire Wettbewerbsbedingungen für die erneuerbaren Energieträger. Hemmnisse für erneuerbare Technologien wurden abgebaut, die Förderung fossiler Brennstoffe und konventioneller Technologien wurde eingestellt. Ausgleichszahlungen für höhere CO2-Preise und andere Maßnahmen sorgten dafür, dass dieser fundamentale Wandel sozialverträglich ablief. So gelang es, den Zubau von Windrädern und Solarkraftwerken von damals sechs auf 30 Gigawatt im Jahr zu steigern. Gleichzeitig wurde das Stromnetz dezentral organisiert und digitalisiert.

Verbindliche und gerechte Ausbauziele, einheitlicher Artenschutz

Von 2035 aus betrachtet, ist es faszinierend, wie wirksam manche Maßnahmen aus dem 1,5-Grad-Gesetzespaket einen lange aufgebauten Handlungsstau lösen konnten. Früher waren Ausbauziele nicht an feste Planungsvorgaben für Energieanlagen gekoppelt. Seit 2022 legt der Bund gemeinsam mit Ländern, Kommunen und der Öffentlichkeit feste Ausbauziele für jede Kommune fest. Diese werden im Rahmen der Flächenplanung durch die Länder, Regionen und Kommunen umgesetzt. So werden die Ausbaumengen bundesweit gerecht verteilt und Umsetzungsschwierigkeiten rechtzeitig aufgelöst.

Mit bundesweit einheitlichen Standards für den Artenschutz ließ sich ein zweiter Hemmschuh für den Ausbau von Windenergieanlagen entfernen. Früher legten Genehmigungsbehörden und Ländergerichte die Vorgaben aus dem Bundesnaturschutz- und anderen Gesetzen unterschiedlich aus. Heute sorgt ein bundeseinheitlicher Leitfaden mit verbindlichen Artenschutz-Standards für Planungssicherheit und zügige Umsetzung.

Energieversorgung als Gesellschaftsaufgabe

Im 1,5-Grad-Gesetzespaket ist die Energieversorgung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angelegt. Auch ihrer Förderung liegt dieser Gedanke zugrunde. Ein Generationenfonds hilft, die Anlagen zu finanzieren. Der günstige Strom aus Sonne und Wind ermöglicht sinkende Energiepreise. Das war für Industrie, Verkehr und Bauwesen ein starker Anreiz für den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbaren Strom. Wichtig waren dabei auch ein mutiger CO2-Preis und ein Ende der Förderung fossiler Brennstoffe und Technologien.

Die Elektrifizierung aller Bereiche bringt die dafür nötigen Anlagen nahe an unser Lebensumfeld heran. Da hilft es enorm, dass die Bürger*innen an der Planung beteiligt sind. Professionelle, frühzeitig begonnene Beteiligungsverfahren sind heute selbstverständlich. Die Betreiber*innen zahlen den betroffenen Kommunen eine Sonderabgabe, die letztlich allen Bürger*innen zugutekommt, weil mehr Geld für die Kinderbetreuung, die Digitalisierung der Verwaltung und für Gemeindezentren da ist. Bürger*innen können durch Anteile am Generationenfonds von den Erträgen profitieren.

Energie wird schon lange nicht mehr von wenigen großen Konzernen erzeugt. Von Mieter*innen, die Sonnenenergie auf dem Balkon ernten, bis zu Bürgerenergiegemeinschaften, die in ihrer Gemeinde eigene Anlagen betreiben, speisen Hunderttausende Erzeuger*innen Energie in den Smart Grid. Dank des digitalen Managementsystems haben wir auch die Sicherheit, dass selbst bei dunkler, windstiller Witterung genügend Strom durchs Netz fließt.

Foto: Gleb Albovsky/unsplash