Verkehrswende jetzt!

Der Anteil des Verkehrssektors an Deutschlands CO2-Emissionen ist seit Jahrzehnten konstant hoch. Wir zeigen, was sich ändern muss, woran die Verkehrswende immer wieder scheitert – und wo sie bereits gelingt.

Verkehr CO2-Preis
23.10.2024
Gregor Bauer

Warum die Verkehrswende so wichtig ist 

Immer mehr PKWs sind auf deutschen Straßen unterwegs

22 % oder 146 Millionen Tonnen CO2e: So hoch war 2023 der Anteil des Verkehrssektors an Deutschlands Treibhausgasemissionen. Davor sah es nicht besser aus: Während andere Sektoren ihre Emissionen reduzieren, tritt der Verkehr seit Jahrzehnten auf der Stelle.

Auch die jüngste Zahlen zeigen keine Besserung: Die PKW-Dichte nimmt weiter zu, der Anteil der E-Mobilität auf Deutschlands Straßen bleibt marginal, Busse und Bahnen fahren unpünktlich oder gar nicht.

Doch das muss nicht so bleiben: Wir zeigen, wie sich die Emissionen im Verkehr schnell und deutlich reduzieren lassen.

Wo die großen Hebel liegen 

Den mit Abstand größten Anteil an den Verkehrsemissionen hat der Straßenverkehr, wobei das Einspar-Potenzial bei Pkws mehr als doppelt so hoch ist als bei Lkws. Tempo 100 auf Autobahnen sowie verschärfte Tempolimits auf Landstraßen und innerorts wären eine stark wirksame Sofortmaßnahme, der weitere Maßnahmen folgen müssten:

  • Weg vom Verbrenner, hin zur Elektromobilität.  
  • Weg von immer mehr und immer größeren Autos, hin zu einem attraktiven und günstigen öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie sicheren Rad- und Fußwegen.  
  • Wo Autos nötig bleiben, müssen sie kleiner, leichter und effizienter werden.  
  • Der Flugverkehr darf nicht weiter ausgebaut, sondern muss auf einen Bruchteil des heutigen Volumens reduziert werden. Wo immer möglich, muss er ersetzt werden durch attraktive Zugverbindungen.  

Die Ausweitung der Schienennetze wird nicht mit der gewünschten Schnelligkeit möglich sein. Moderne Schienenverkehrstechnologien können jedoch beitragen zu einer raschen Entlastung der Netze und damit auch zu einer Ausweitung des Bahnverkehrs.

Der Umstieg auf Elektromobilität muss einhergehen mit einem beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Hier kann die Bundesregierung eine deutlich bessere Bilanz vorweisen als im Verkehrssektor.

Wie alle teilhaben können 

Bei allen Maßnahmen der Verkehrswende ist darauf zu achten, dass insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen nicht zusätzlich belastet werden:

  • Einzelne Maßnahmen der Verkehrswende können für sie zu finanziellen Belastungen führen, beispielsweise durch höhere Spritpreise. Diese Belastungen sind an anderer Stelle auszugleichen, etwa durch eine Klimaprämie. 
  • Andere Maßnahmen führen zu Verbesserungen für untere Einkommensklassen, beispielsweise durch weniger Lärm- und Schadstoffbelastung an stark befahrenen Straßen, sichere Fußwege sowie durch ein verbessertes ÖPNV-Angebot. Solche Synergien sind zu nutzen. 
  • Der Wechsel zur E-Mobilität muss so gestaltet werden, dass auch Menschen mit geringem Einkommen daran teilhaben können, beispielsweise durch eine E-Mobilitätsprämie.   

Welche Maßnahmen wir jetzt brauchen 

GermanZero fordert 1,5 Grad.

Wie die Bundesregierung die Emissionen im Verkehrssektor senken kann, haben wir in unserem Klimanotstandspaket und in unserem 1,5-Grad-Gesetzespaket gezeigt.

Die wichtigsten Maßnahmen auf Bundesebene sind:

  • Als Sofort-Maßnahme Tempo 100 auf Autobahnen, Tempo 80 auf Landstraßen und Tempo 30 innerorts. 
  • Verbrenner-Aus: Ab 2025 dürfen keine neuen Pkw mit Verbrennungsmotor zugelassen werden, ab 2030 keine neuen Verbrenner-Lkws. Für Lkws müssen elektrische Oberleitungen verlegt werden.  
  • Die CO2-Emissionen im Verkehr müssen mit einem Preis belegt werden, der eine Lenkungswirkung hin zur Dekarbonisierung entfaltet.  
  • Der öffentliche Personennah- und Fernverkehr muss attraktiver und günstiger werden, mehr Städte müssen an den Fernverkehr angebunden werden.   

Wir müssen nicht warten, bis die Bundesregierung die notwendigen Maßnahmen ergreift. Auch auf lokaler Ebene lässt sich viel bewegen:

  • Vorrang für ÖPNV, Rad- und Fußwege in der Mobilitätsplanung  
  • Radverkehr: sichere Radwege, zusammenhängende Radwegenetze mit Radschnellwegen, mehr und bessere Abstellanlagen 
  • Tempo 20 bzw. 30 innerorts  
  • Elektrifizierung von Bussen und Bahnen  
  • Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks  

Wie die Verkehrswende unsere Lebensqualität verbessert 

Die Verkehrswende ist nicht nur ein Gewinn für den Klimaschutz – sie geht auch einher mit vielen weiteren Vorteilen:

  • Tempolimits retten Leben und verhindern schwerste Verletzungen. 
  • Die Antriebswende reduziert die Feinstoff-, Stickstoffoxid- und Lärmbelastung.  
  • Die Mobilitätswende schafft in unseren Städten mehr Platz zum Leben: Wo Straßen und Parkplätze entsiegelt und begrünt werden, entstehen Parks, spielen Kinder, kehren Bienen und Vögel zurück. Grünflächen nehmen bei Starkregen Wasser auf, das in Dürreperioden zur Verfügung steht.  
  • Wo der öffentliche Nah- und Fernverkehr gefördert wird, werden Menschen mobil, die sich ein Auto nicht leisten können.  

Wo die Verkehrswende Gestalt annimmt

Viele Kommunen haben sich längst auf den Weg gemacht, die Verkehrswende voranzutreiben. Hier einige Beispiele:

  • Über 1.100 deutsche Kommunen haben sich zusammengeschlossen in der Initiative „Lebenswerte Städte und Gemeinden“. Sie setzen sich ein für eine Verkehrswende zur Erhöhung der Lebensqualität, insbesondere für eine Ausweitung von Tempo 30. Ihre Zahl wächst ständig.  
  • Die Stadt Marburg hat das Mobilitätskonzept „MoVe 35“ aufgelegt. Der Autoverkehr soll reduziert, Rad- und Fußverkehr sollen ausgebaut werden.  
  • Die Stadt Hannover stärkt den Radverkehr durch ein Erschließungskonzept mit City-Radring, Radschnellwegen und großzügigen Abstellanlagen.  
  • Ebenfalls in Hannover geht die Reduzierung des Autoverkehrs einher mit einem deutlich aufgewerteten ÖPNV.  
  • In Dortmund sind bereits seit 2023 dreißig E-Gelenkbusse unterwegs.  
  • Die Stadt Buchholz stärkt den Rad- und Fußverkehr unter anderem mit besser ausgebauten und markierten Radwegen sowie durch den Rückbau von Parkplätzen zugunsten von Rad- und Fußwegen. Die E-Mobilität wird gefördert durch den Ausbau von Ladestationen, der kommunale Fuhrpark wird elektrifiziert. Für Pender wird das ÖPNV-Angebot ausgebaut.  

Diese Beispiele zeigen: Die Verkehrswende ist möglich, viele Menschen wollen sie und arbeiten an ihrer Umsetzung. GermanZero vernetzt sie, stellt ihnen Know-how bereit und vertritt ihre Interessen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene.

Was du beitragen kannst

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