Was ist der Tankrabatt?
Die Regierungsspitzen haben am 13. April ihr dringlich erwartetes Entlastungspaket vorgestellt. Es muss noch den Bundestag und Bundesrat passieren und soll am 1. Mai in Kraft treten. Der vorgeschlagene Tankrabatt sieht vor, die Mineralölsteuer um 17 Cent für eine Dauer von zwei Monaten zu senken. Das bedeutet für den Bundeshaushalt eine Steuermindereinnahme von 1,6 Milliarden. Eine starke Belastung mit unklarem Effekt. Als Vergleich: das ist ungefähr so viel, wie der Bund (neben den Ländern) für das Deutschlandticket pro Jahr ausgibt.[1]
Warum der Tankrabatt viel Geld kostet und kaum etwas bringt
1. Die Konzerne profitieren und nicht die Bürger:innen
Der Tankrabatt im Sommer 2022 kostete den Staat rund drei Milliarden Euro. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigte jedoch, dass die Pendler:innen hiervon wenig profitierten und die Mineralölkonzerne die Steuerentlastung von bis zu 30 Prozent über drei Monate einbehielten[2]. Die Entlastung kam also nicht vollständig bei den Verbraucher:innen an, sondern sie landete als Geschenk in den Taschen der Unternehmen. Das macht den Effekt dieser Maßnahme mehr als fragwürdig.
2. Der Tankrabatt ist nicht zielgerichtet und entlastet die Falschen
Der Tankrabatt folgt dem Gießkannenprinzip ohne gezielt Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu unterstützen. Jeder Haushalt mit Auto profitiert, egal, ob es sich um eine alleinerziehende Mutter mit Minijob oder um einen Millionär mit SUV handelt. Vergleicht man Personen im untersten Einkommensdezil mit denen aus höheren Einkommensdezilen, unterscheiden sich die Emissionen vom Autofahren um das Vierfache[3]. Entsprechend geben Haushalte mit höheren Einkommen absolut mehr Geld für Kraftstoffe aus und profitieren damit überproportional von der Steuerentlastung[4]. Gleichzeitig bleiben Haushalte ohne Auto, die unter anderen Preissteigerungen, z.B. Gaskosten und höheren Lebensmittelpreisen, leiden, außen vor.
3. Der Tankrabatt ignoriert die Schwere der Krise und die mögliche Versorgungskrise
Wir befinden uns in der schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit, wie Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), schreibt[5]. Die Preise für Brent Rohöl sind beispielsweise von 64 US-Dollar pro Barrel auf zuletzt auf 95 US-Dollar pro Barrel gestiegen[6]. Insbesondere die Produktion von Benzin oder Diesel ist aufgrund von Lieferengpässen von Rohöl durch die Kriegssituation und zerstörte Infrastruktur eingeschränkt, was zu den hohen Spritpreisen führt[7]. Es wird erwartet, dass die Preise an den internationalen Energiemärkten mittelfristig auf ihrem aktuell hohen Niveau bleiben[8]. Diese tatsächliche Knappheit an fossilen Kraftstoffen[9], die sich auch in höheren Preisen spiegelt, wird mit dem Tankrabatt nicht adressiert. Das politische Signal heißt „weiter so“, obwohl stattdessen Diesel und Benzin gespart werden sollten, wo es geht, und die Abhängigkeit von fossilen Energien beispielsweise durch die Förderung von Erneuerbaren und ÖPNV-Tickets oder E-Mobilität reduziert werden. Das würde zusätzlich Anreize für die dringend benötigte klimafreundliche Verkehrswende bieten.
Was stattdessen helfen würde: Soziale und ökologische Alternativen
Die gute Nachricht: Es gibt bessere Ideen, um Bürger:innen zu entlasten und gleichzeitig das Klima zu schützen. Hier sind die wichtigsten Ansätze:
1. ÖPNV und Bahn stärken
Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, wie Menschen wirksam entlastet und das Klima geschützt werden kann. Millionen Menschen haben den ÖPNV genutzt, Staus wurden reduziert, und die CO₂-Emissionen sanken. Das heutige Deutschlandticket sparte circa 2,5 Mio. Tonnen CO₂ im Jahr 2024 ein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt[10] und kostet in einem Jahr so viel wie der Tankrabatt für zwei Monate. Auch aus anderen Ländern kommen gute Vorschläge. So wurden in Litauen die Preise für Bahntickets halbiert.
2. Stromsteuer senken und Erneuerbare fördern
Statt fossile Spritpreise künstlich zu verbilligen, sollten die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß gesenkt werden, so wie es auch im Koalitionsvertrag versprochen wurde. Das würde Haushalte entlasten und weitere Anreize für die Energiewende schaffen. Günstiger Strom macht E-Autos, Wärmepumpen und erneuerbare Energien attraktiver. Eine Win-Win-Situation für Klima und Verbraucher:innen. E-Mobilität könnte zusätzlich durch „Social Leasing“ gefördert werden, eine stark reduzierte Leasingrate für einkommensärmere Haushalte[11].
3. Maßnahmen, die nichts kosten
Maßnahmen, die nichts kosten, sind beispielsweise ein Tempolimit von 120km/h auf Autobahnen. Das spart Kraftstoff und senkt CO₂-Emissionen[12]. Auch vermehrte Homeoffice Tage, Energieeffizienz- und Energiesparprogramme für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen können sinnvoll sein.
4. Übergewinnsteuer für mehr Fairness
Eine Übergewinnsteuer steht für eine zusätzliche Steuer auf Krisengewinne eines Unternehmens. Ein aktueller Greenpeace Bericht schlussfolgert, dass Ölkonzerne seit Kriegsbeginn höhere Gewinne erzielen, da die Unterschiede zwischen der internationalen Rohölpreisentwicklung und den europäischen Tankstellenpreisen für Diesel und Benzin seit Kriegsbeginn sehr weit auseinanderliegen. So liegen die Einnahmeunterschiede für Tankstellen in Deutschland bei einem Plus von über 20 Mio. Euro bei ansonsten ähnlich gebliebenen Kosten. Eine Übergewinnsteuer könnte Krisengewinne abschöpfen und damit Entlastungsmaßnahmen finanzieren.
Fazit: Statt Tankrabatt echte Maßnahmen für Entlastung und Klimaschutz, um langfristig die Weichen zu stellen
Der Tankrabatt 2.0 ist ein Symbol für verschwendetes Steuergeld. Die Klimakrise und die Energiekrise erfordern ökonomisch sinnvolle Entscheidungen und langfristige Strategien, die soziale Gerechtigkeit, haushalterische Vernunft sowie Klimaschutz verbinden. Es gibt bessere Alternativen als den Tankrabatt, von günstigen ÖPNV- und Bahntickets über die gezielte Unterstützung von Haushalten mit niedrigem Einkommen bis hin zu Energiesparprogrammen, die teilweise bereits in anderen Ländern umgesetzt werden[13].
Lasst uns nicht länger über Tankrabatte streiten, sondern über strukturelle Reformen diskutieren, die unser Wirtschaftssystem fit für die Zukunft macht und unser Klima gesund halten!
Quellen
1) Bundesministerium für Verkehr, 18.09.2025, https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/K/digitaler-mobiler-einfacher-deutschlandticket.html
2) Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung, Pressemitteilung, 18.07.2024, https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/rwi-weitergabe-des-tankrabatts-im-jahr-2022-nahm-ueber-die-zeit-stark-ab-und-fiel-je-nach-region-sehr-unterschiedlich-aus
3) DIW Wochenbericht Nr. 27, Einkommensstarke Haushalte verursachen mehr Treibhausgasemissionen – vor allem wegen ihres Mobilitätsverhaltens, https://www.diw.de/de/diw_01.c.906982.de/publikationen/wochenberichte/2024_27_2/einkommensstarke_haushalte_verursachen_mehr_treibhausgasemissionen_____vor_allem_wegen_ihres_mobilitaetsverhaltens.html
4) WirtschaftsWoche, Warum die Steuersenkung auf Benzin und Diesel verpuffen wird, 15.04.2026, https://www.wiwo.de/politik/deutschland/tankrabatt-warum-die-steuersenkung-auf-diesel-und-benzin-verpuffen-wird/100216492.html
5) Claudia Kemfert, DIW Berlin, 07.04.2026, https://www.diw.de/de/diw_01.c.1004568.de/schwerste_fossile_energiekrise_unserer_zeit.html
6) IEA Oil Market Report, 14.04.2026, https://iea.blob.core.windows.net/assets/f7785a70-754e-49d9-bf47-3c44cf77ca98/-14APR2026_OilMarketReport_Free_version.pdf
7) IEA Oil Market Report, 14.04.2026, https://iea.blob.core.windows.net/assets/f7785a70-754e-49d9-bf47-3c44cf77ca98/-14APR2026_OilMarketReport_Free_version.pdf
8) Michael Hüther, IW Köln, 15.04.2026, https://www.iwkoeln.de/presse/in-den-medien/michael-huether-merz-arbeitet-mit-der-methode-merkel.html
9) IW-Kurzbericht Nr. 26, Diesel wird weltweit knapp, 27.03.2026, https://www.iwkoeln.de/studien/thomas-puls-diesel-wird-weltweit-knapp.html
10) Spiegel, Deutschlandticket spart 2,5 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr ein, https://www.spiegel.de/mobilitaet/bus-bahn/deutschlandticket-spart-2-5-millionen-tonnen-co-pro-jahr-ein-a-c83b63a3-929f-453e-9cab-8447062f29d7
11) Öko-Institut, Social Leasing: Wie der Zugang zu Elektrofahrzeugen auch ohne hohes Einkommen gelingen kann, 14.05.2025, https://www.oeko.de/news/pressemeldungen/social-leasing-wie-der-zugang-zu-elektrofahrzeugen-auch-ohne-hohes-einkommen-gelingen-kann/
12) UBA, Tempolimit, 31.01.2025, https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/nachhaltige-mobilitaet/tempolimit
13) Für eine Übersicht IEA 2026 Energy Crisis Policy Response Tracker, 14.04.2026, https://www.iea.org/data-and-statistics/data-tools/2026-energy-crisis-policy-response-tracker
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