Klimaneutralität braucht Strom
Der Weg der Energie- und Klimawende heißt schon seit Jahren “Elektrifizierung”, und das mit erneuerbaren Energiequellen. Der Bedarf an Strom wird in den nächsten Jahren steigen, da Energiedienstleistungen wie Wärme und Mobilität statt aus fossilen Kraftstoffen aus erneuerbarem Strom bereitgestellt werden müssen. Agora Energiewende rechnet in Deutschland mit einem steigenden Strombedarf und mehr als einer Verdopplung der Stromerzeugung von knapp 500 TWh aktuell zu circa 1.200 TWh im Jahr 2045, wobei der Großteil aus Erneuerbaren gewonnen werden muss (Quelle: Agora Energiewende, S.30).
Warum ist Strom so teuer? Die Wahrheit hinter den Preisen
Zunächst ist wichtig, zu wissen, dass Strom aus Erneuerbaren im Vergleich zu mit fossilen Energieträgern produziertem Strom bereits heute am günstigsten ist. Das liegt an den geringen Stromgestehungskosten (die “Erzeugungskosten”) von Erneuerbaren verglichen zu den anderen Energieträgern (Quelle: Fraunhofer ISE Studie 2024). Beispielsweise werden keine riesigen Kraftwerke gebaut, keine Brennstoffe wie Kohle oder Gas gebraucht, und es muss kein CO2-Preis gezahlt werden.
Aktuell bestimmen jedoch die teuersten Kraftwerke (meist Gas- oder Kohlekraftwerke) den Strompreis, selbst wenn der Großteil des Stroms aus günstigen Erneuerbaren kommt. Das ist der Merit-Order-Effekt. Obwohl Wind- und Solarstrom viel billiger ist, zahlen alle, auch Verbraucher:innen, den hohen Preis der Fossilen. Wie Agora Energiewende bestätigt, hat der Ausbau Erneuerbarer im Strommix im letzten Jahr sogar preissenkend gewirkt (Quelle: Agora Energiewende Bericht 2025). Ein wichtiger Grund also, neben der notwendigen Elektrifizierung, dass es mehr Erneuerbare in der gesamten, steigenden Stromproduktion geben sollte.
Was ist die Stromsteuer? Warum ist die Stromsteuersenkung sinnvoll?
Eine Stromsteuersenkung würde genau diesen Trend unterstützen, indem (erneuerbarer) Strom günstiger wird, und gleichzeitig Haushalte entlastet werden. Blickt man von Produktion und Handel hin zum Verbrauch, setzt sich der Strompreis für Haushalts- und Industriekunden in Deutschland aus weiteren Kosten wie der Stromsteuer, dem Nettonetzentgelt, der Umsatzsteuer und verschiedenen Umlagen zusammen.
Die Stromsteuer in Deutschland beträgt 2,05 Cent/kWh für Haushalte und Unternehmen (mit Ausnahme der Unternehmen mit einem Mindestbedarf von 12,5 MW (siehe unten)). Die Stromsteuer fällt dabei beispielsweise für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 2.500-5.000 kWh pro Jahr mit rund 5 Prozent ins Gewicht (Quelle: Bundesnetzagentur Monitoringbericht 2025, S. 169; 171). Mit der Senkung auf das europäische Mindestmaß von 0,01 Cent/kWh könnten diese Haushalte zwischen 50 und 100 Euro sparen.
Strom muss günstiger werden
Zwar hat die Bundesregierung schon einiges für die Reduktion der Stromkosten getan, u.a. mit der Abschaffung der EEG-Umlage im Jahr 2023, der Senkung der Stromsteuer für Unternehmen mit einem Mindestverbrauch von jährlich 12,5 Megawattstunden im letzten Jahr, oder zuletzt mit dem kürzlich beschlossenen Industriestrompreis für 2026 bis 2028 (beides finanziert aus Bundesmitteln). Außerdem erhalten die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 2026 einen Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), um die Stromkosten zu senken. Der Fokus liegt dabei jedoch bei Unternehmen und produzierendem Gewerbe. Denn: wie die Verbraucherzentrale herausfand, scheinen die umgerechnet 100 Euro Entlastung bei den Haushalten noch nicht anzukommen. Umso wichtiger ist es jetzt, die dringend benötigte Entlastung für Haushalte durch eine Stromsteuersenkung zu erreichen (Quelle: Verbraucherzentrale).
Neben der Entlastung der Haushalte braucht auch es eine langfristige Strategie für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren, sowie der Netze, Speicher und regelbaren Kraftwerke (Quelle: IW Köln). Die Stromsteuersenkung wäre ein direkter Anschub für die Elektrifizierung, da klimafreundliche Technologien wie die Wärmepumpe und E-Mobilität mit günstigen Strompreisen indirekt gefördert werden. Wie eine aktuelle RWI-Studie erneut bestätigt, ist Klimaschutz einem Großteil der Menschen wichtig, aber ökonomische Fragen rund um Kosten und Bezahlbarkeit der “Dreh- und Angelpunkt” bei der Zustimmung bleiben (Quelle: RWI).
Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Die Senkung der Stromsteuer wäre besonders verbraucherfreundlich und würde mehr Gerechtigkeit schaffen, denn aktuell zahlen Haushalte den vollen Steuersatz von 2,05 Cent pro Kilowattstunde, während die Industrie von einem minimalen Satz von 0,05 Cent bezahlt. Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom DIW weist darauf hin, dass diese Schieflage insbesondere für einkommensschwache Haushalte schwer zu vermitteln ist, da sie zusätzlich mit ihren Steuern „milliardenschwere Industrieprivilegien“ bezahlen (Quelle: WAZ 2025). Die Stromsteuer als Verbrauchssteuer betrifft alle Haushalte unabhängig vom Einkommen und stärkt die Kaufkraft von Haushalten mit geringem Einkommen überproportional, die z.B. besonders an den steigenden Lebenshaltungskosten leiden (Quelle: VdK).
Eine Senkung der Stromsteuer wäre eine wirksame Maßnahme, die die Bürger:innen während der Krise entlastet und den Weg der Elektrifizierung stärkt. Die aktuelle Krise zeigt erneut, dass fossile Energienutzung riskant und teuer ist. Frankreich beispielsweise erkennt das bereits und leitet ein Paket zur Beschleunigung der Elektrifizierung unter anderem mit einem Fokus auf einkommensarme Haushalte ein (Quelle: Le Monde). Auch argumentiert die EU-Kommission für klimafreundliche Entlastungen wie die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Niveau in den Mitgliedstaaten und empfiehlt keine Steuersenkungen für fossile Kraftstoffe aus sicherheits- und versorgungspolitischen Gründen (Quelle Handelsblatt).
Finanziert werden sollten die Kosten von ca. 7 Mrd. Euro (Quelle: Bundeshaushalt digital) für die Stromsteuersenkung auf keinen Fall aus dem KTF, sondern aus dem allgemeinen Haushalt. Der KTF muss für ambitioniertere Projekte wie die verlässliche Förderung für Gebäudesanierung und Wärmewende, die Ausfinanzierung des Klimaschutzprogramms, dem Schienenausbau, der Naturschutzfinanzierung, oder der internationalen Klimafinanzierung genutzt werden (siehe Forderungspapier Germanzero 25.03.2026). Als Gegenfinanzierung könnten umweltschädliche Subventionen abgebaut oder Einnahmen aus einer Übergewinnsteuer für die Mineralölkonzerne genutzt werden.
Die Stromsteuersenkung ist ein wichtiger Schritt, um die Energiewende sozial gerecht zu gestalten. Jetzt muss die Politik handeln. Unterstütze unsere Forderung und teile diesen Artikel!