Kreislauffähig und klimapositiv bauen

Ersatz für CO2-intensive Baustoffe

Die Baubranche gehört weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen. Emissionen lassen sich zum einen durch die Förderung von CO2-sparenden Bauweisen vermeiden, zum anderen dadurch, dass Bauteile und Baustoffe in möglichst hochwertiger Form wiederverwendet oder -verwertet werden.

Von Anna Heinen

Gebäude
09.06.2021
Von: Anna Heinen

2019 wurden in Deutschland über 260.000 neue Häuser gebaut. Das nimmt nicht nur riesige Flächen in Anspruch. Die Baubranche verbraucht im Jahr 550 Millionen Tonnen mineralische Ressourcen und verursacht 55 % des deutschen Abfallaufkommens.

Die Produktion von Baustoffen ist energie- und ressourcenintensiv und geht häufig mit Prozessemissionen einher: Die Zementherstellung verursacht in Deutschland 3 % und global 7 % der CO2-Emissionen. Soweit möglich, sollten mineralische Baustoffe und Kunstoffe durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Darüber hinaus müssen die Wiederverwendung von Bauteilen und hochwertiges Recycling gefördert werden.

Ein Gebäude muss zukünftig einen bestimmten maximalen CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus hinweg einhalten, um eine Baugenehmigung zu erhalten.

Holzbau ermöglichen, CO2 einsparen

Als nachwachsender Rohstoff hat der Baustoff Holz viele Vorteile: energiearme Erzeugung, die Bindung von CO2, Kreislauffähigkeit, geringes Gewicht, leichte Vorproduktion und energiegewinnende Entsorgung durch Verbrennung.

Die wichtigste Einschränkung liegt im Brandschutz. Trotz bestehender Vorurteile zeigen Forschung und Erfahrung beispielsweise in Skandinavien, dass Holz alle brandschutztechnischen Anforderungen erfüllen kann. Aktuell ist der Holzbau nur begrenzt zugelassen: Gebäude der Klasse 5 (bis 22 Meter Höhe) sind nur mit Brandschutzbekleidung erlaubt. Ausnahmen sind in Absprache mit den Baubehörden zwar möglich (etwa wenn Sprinkleranlagen die Gefährdung reduzieren), jedoch nur mit eigenem Brandschutzkonzept und wesentlich strengeren Anforderungen als es bei anderen Baustoffen der Fall ist. Hochhäuser, Brandwände und Treppenräume von Klasse-5-Gebäuden sind von diesen Ausnahmen ausgeschlossen. Das macht den Holzbau oft unwirtschaftlich.

Richtiges Recycling anregen

Die Wiederverwendung von Baustoffen spart in der Regel Energie und schont knappe Ressourcen wie Sand. Da das Bauschuttaufkommen aufgrund schrumpfender Kommunen und Sanierungen ansteigen wird, wächst die verfügbare Menge an Rohstoffen.

Zwar liegen die Verwertungsquoten zwischen 89 und 98 %. Doch der Altbeton geht großteils als Downcycling in den Straßenund Deponiebau. Nur ein Bruchteil wird für wertmäßiges Recycling genutzt — obwohl technisch nichts gegen Recyclinggesteinskörnungen bei der Betonherstellung spricht.

Recycling-Rohstoffe sind durch Abbruch, sortenreine Trennung und Aufbereitung oft teurer als Primärmaterial. Gebrauchte Bauteile müssen im Einzelfall genehmigt und geprüft werden.

Um eine hohe Qualität recycelter Stoffe sicherzustellen, muss schon in der Planung an den Rückbau gedacht werden: durch Trennbarkeit der Materialien, Homogenität, Schadstofffreiheit oder Modulbau. Auch eine digitale (verpflichtende) Erfassung der verwendeten Stoffe in einer Baudokumentation hilft dem zukünftigen Recycling.

Maßnahmen für nachwachsende und recycelte Baumaterialien

  • Holzbau ohne Brandschutzbekleidung auch in höheren Gebäudeklassen erlauben, wenn nötiger Feuerwiderstand und ein Ausgleich durch Sprinkler o. Ä. gewährleistet ist — ohne aufwendige Ausnahmeregeln.
  • Bonus-Förderungen in staatlichen Förderprogrammen für Projekte mit nachwachsenden Rohstoffen ansetzen. Den Mehrwert­steuersatz für diese Rohstoffe senken
  • Ökobilanzen zur Bestimmung der CO2-Intensität eines Gebäudes als Kriterium für die Erteilung von Baugenehmigungen nutzen.
  • Klare Kriterienkataloge (ähnlich wie Tragwerk-Kriterien) für die Zulassung von wiederverwendeten Bauteilen umsetzen. Erfüllen diese in Stichproben sämtliche Kriterien, dürfen sie ohne Einzelfallzulassung erneut verbaut werden.
  • Rückbauplanung als Voraussetzung für die Erteilung einer Baugenehmigung.
  • Flexiblerer Einsatz von Gesteinskörnung in der Betonherstellung.
  • Hersteller:innen werden verpflichtet, von ihnen hergestellte Bauteile nach dem Ausbau zurückzunehmen. Dies bietet einen starken Anreiz, Bauprodukte kreislauffähig herzustellen.
  • Wirtschaftliche Anreize für Recycling schaffen durch:• Verfüllsteuer auf Bauabfälle, um Ablagerung in Deponien zu reduzieren• Primärrohstoffsteuer• Vorrang Sekundärrohstoffe bei öffentlichen Aufträgen stärken

Diesen Text und viele andere findest du auch im GermanZero-Magazin.