Der Fahrplan zum klimaneutralen Deutschland

Unsere Stationen: alle wichtigen Sektoren in Deutschland

Nur wenn wir sektorenübergreifend denken und handeln, erreichen wir Klimaneutralität bis 2035. Dafür brauchen wir ein integriertes 1,5-Grad-Gesetzespaket, das im Zusammenwirken aller Maßnahmen das Ziel der Treibhausgasneutralität sicherstellt. Die Basis bildet ein wissenschaftlich fundierter Maßnahmenkatalog für die fünf größten emissionstreibenden Sektoren in Deutschland: Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude/Wärme und Landwirtschaft.

Der Maßnahmenkatalog - die Grundlage für unsere Gesetzesentwicklung: alle 232 Maßnahmen für die Sektoren. So erreichen wir das 1,5-Grad-Ziel.
Das Magazin zum Gesetzesvorhaben: Hintergrundwissen zu den 1,5-Grad-Maßnahmen, Reportagen, Interviews, Klimafakten und die Vision eines klimaneutralen Deutschlands 2035.

Klimapolitisch entscheidend: die wichtigsten Sektoren im Überblick

Energie

Ohne die Energiewende gibt es keine Klimawende. Die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas halten die Treibhausgasemissionen kontinuierlich hoch. Wir setzen daher auf eine neue Energieordnung, eine grundlegende Transformation der Energieerzeugung und -verteilung.

Icon Energie

CO2-EMITTENT #1

Wichtige Maßnahmen im Sektor Energie
Strom aus erneuerbaren Energien ist in dieser neuen Energieordnung die Leitenergie. Um die Treibhausgasemissionen konsequent und nachhaltig zu senken, werden bis spätestens 2035 in allen Sektoren zu 100 Prozent erneuerbare Energieträger eingesetzt. Der Schlüssel hierfür sind dezentrale Energiegemeinschaften, die ihre Energie überwiegend selbst erzeugen, speichern und verbrauchen, sowie "EE-Kraftwerke", also Wind- und PV-Anlagen, die in der nötigen Geschwindigkeit gebaut werden können.

In den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit beseitigt sie die wichtigsten Systemfehler und -widersprüche des gegenwärtigen Energiesystems. Das sorgt für einen „Quick Win“.

Das neue Energiegesetzbuch schafft die rechtlichen Möglichkeiten für sogenannte Energiegemeinschaften, die Strom aus erneuerbaren Energien dezentral produzieren, speichern, möglichst sektorengekoppelt verbrauchen — und dafür geringere Abgaben zahlen.

Der erforderliche Ausbau von erneuerbaren Energien kann nicht von Energiegemeinschaften allein bewältigt werden. Das neue Energiegesetzbuch schafft die Rahmenbedingungen für ein staatlich koordiniertes Ausbauprogramm für Wind- und Solaranlagen in Form von Ausschreibungsverfahren.

Eine Ausbau-Agentur für erneuerbare Energien ist für das Ausschreibungsverfahren zuständig und sorgt auf einer digitalen, sich ständig aktualisierenden Datenbasis dafür, dass der Ausbau nicht nur schnell genug, sondern auch räumlich so koordiniert erfolgt, dass eine stabile flächendeckende Energieversorgung gewährleistet wird.

Vor allem zur Dekarbonisierung des Industriesektors sind große Mengen Wasserstoff erforderlich. Der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur für den Transport dieses und anderer Energieträger muss staatlich geplant und koordiniert werden.

45,4 %

betrug der Anteil der erneuerbaren Energien

am deutschen Bruttostromverbrauch 2020 - damit erzeugten sie in Summe erstmals mehr Strom als Kohle, Gas und Öl zusammen

11,5 Mio.

Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien

wurden 2019 weltweit verzeichnet, es werden 42 Millionen bis 2050 prognostiziert

82 %

der Bürger*innen in Deutschland

befürworten den Bau neuer Windräder

Industrie

Der Industriesektor ist der zweitgrößte CO2-Produzent in Deutschland. Maßgeblich verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß ist die energieintensive Grundstoffindustrie: Stahl, Zement, Chemie. Die Dekarbonisierung der Industrieprozesse ist daher ein wichtiger Hebel zur Erreichung der Klimaschutzziele. Dabei gilt es, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in einer klimaneutralen Wirtschaftswelt zu erhalten und zu stärken.

CO2-EMITTENT #2

Wichtige Maßnahmen im Sektor Industrie
Die Weiterentwicklung und der Einsatz treibhausgasneutraler Technologien sowie der Aufbau dafür notwendiger Infrastrukturen werden unterstützt. Fossile Brennstoffe werden durch erneuerbare Energien ersetzt. Ressourcen werden durch konsequente Kreislaufwirtschaft geschont, Absatzmärkte für nachhaltige Produkte gefördert.

Das CO2-Bepreisungssystem wird auf nationaler und europäischer Ebene umgestaltet: Klimakosten werden künftig eingepreist, dadurch entstehen Anreize für klimafreundliche Produktionsprozesse.

Für energieintensive Industriezweige existiert die Gefahr eines Carbon Leakage, also die Emissionsverlagerung in Länder, in denen der CO2-Preis nicht gilt. Zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit werden kurzfristig Carbon Contracts for Difference (CCfD) und eine Endproduktabgabe auf nationaler Ebene eingeführt. Langfristiges Ziel auf europäischer Ebene ist neben der Einführung von CCfD die Einführung eines Grenzausgleichsregimes.

Um Absatzmärkte für CO2-arme Produkte zu stärken, verpflichtet sich der deutsche Staat, bei seiner öffentlichen Beschaffung nachhaltige und umweltbezogene Kriterien zu berücksichtigen. Zudem werden Quoten für CO2-arme Materialien implementiert.

Durch den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft werden bestehende Materialien und Produkte möglichst lang in der Nutzung gehalten. Das geschieht insbesondere durch Wiederverwendung, Reparatur und Recycling. Emissionen werden eingespart, die für die energieaufwändige Produktion von Primärmaterialien anfallen würden.

56 Mio. Tonnen

CO2 pro Jahr

stoßen die Hochöfen und Werke der Stahlindustrie aus - das entspricht etwa 30 Prozent der gesamten Industrieemissionen Deutschlands

Verkehr

Der Verkehrssektor in Deutschland ist der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen – ohne nennenswerte Reduktion in den vergangenen 30 Jahren: 2019 lagen die Emissionen in diesem Bereich exakt auf dem gleichen Niveau wie 1990. Noch immer dominiert der Ausbau von Straßen, werden klimaschädliche Flüge subventioniert und zu wenige Kapazitäten in die öffentliche Verkehrsanbindung investiert.

CO2-EMITTENT #3

Wichtige Maßnahmen im Sektor Verkehr
Für klimaneutrale Mobilität werden die Schieneninfrastruktur und der ÖPNV ausgebaut, Erstzulassungsstopps für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren festgelegt und der Güterfernverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert. Ein Deutschlandtakt-Gesetz und andere Maßnahmen fördern auch in ländlichen Regionen Mobilitätsalternativen zum PKW und sorgen dafür, dass die Menschen dort nicht abgehängt werden. Städte profitieren vor allem durch sicherere Rad- und Fußwege und eine bessere Luftqualität.

Pkw verursachen 59 Prozent der Emissionen im Verkehr. Sie weisen eine durchschnittliche Laufzeit von zehn Jahren auf. Für das Erreichen einer klimaneutralen Flotte bis 2035 wird die Erstzulassung von Pkw mit Verbrennungsmotoren auf 2025 beschränkt.

Lkw und andere Straßennutzfahrzeuge sind für mehr als ein Drittel der Emissionen im Verkehr verantwortlich. Sie werden bis 2030 auf alternative Antriebe umgestellt. Die Lkw-Maut wird umgehend an den CO₂-Emissionen der Fahrzeuge ausgerichtet.

Mehr Fahrten, kürzere Umsteigezeiten: Noch lohnt es sich ökonomisch kaum, ländliche Gegenden umfassend anzubinden. Neben dem Ausbau der Schieneninfrastruktur sorgt künftig ein gesetzlicher, bedarfsorientierter Zielfahrplan für ausreichend getaktete und somit attraktive Angebote.

Der innereuropäische Luftverkehr ist in den EU-Emissionshandel integriert. Doch sind hier die Emissionen in den vergangenen Jahren gestiegen - viele Zertifikate wurden aus anderen Bereichen hinzugekauft oder kostenlos verteilt. Ein separater Emissionshandel wird gewährleisten, dass bis 2035 keine klimaschädlichen Energieträger mehr zum Einsatz kommen.

Für den Ausbau des ÖPNV sind Länder und Kommunen zuständig. Bundesgesetze ermöglichen ihnen künftig neue Finanzquellen: durch Einführung einer City-Maut, einer Arbeitgeberabgabe oder der Gebührenanhebung für Anwohnerparkplätze.

220

Bahnhöfe

verloren in den letzten 25 Jahren ihre Anbindung an den Fernverkehr

2,5 Mio. Tonnen

Treibhausgase

entstehen jedes Jahr allein auf innerdeutschen Flügen

0 %

CO2-Emissionen

verursacht der Betrieb von reinen Elektroautos, wenn der Strom erneuerbar ist

Gebäude und Wärme

Rund 14 Prozent trägt der Gebäudesektor derzeit zu den Gesamtemissionen in Deutschland bei.  Bezieht man die Emissionen ein, die bei der indirekten Energiebereitstellung, etwa bei der Erzeugung von Fernwärme, und bei der Herstellung von Baustoffen entstehen, so ist der Anteil an den Gesamtemissionen sogar doppelt so hoch. Derzeit sind 89 % aller Gebäude noch nicht optimal energetisch saniert. Dabei liegt hier ein enormes Potenzial zur Energieeinsparung und CO2-Minderung.

CO2-EMITTENT #4

Wichtige Maßnahmen im Sektor Gebäude und Wärme
Der Anteil regenerativer Energieträger bei der Wärmeerzeugung für Gebäude - die Wärmewende - muss vorangetrieben werden. Wohnen und Arbeiten ohne C02-Ausstoß wird durch wirksame energetische Gebäudesanierung und die Umstellung auf klimaneutrale, hocheffiziente Versorgungstechniken möglich.

Die energetische Sanierungsrate wird durch zielgerichtete Förderung, Klimaberatung und Sanierungspflicht auf jährlich 4 Prozent (derzeit 1) erhöht. Sanierungskosten bei Mietshäusern werden sozial gerecht verteilt nach dem Drittelmodell zwischen Mietenden, Vermietenden und Staat.

Ölheizkessel werden nicht mehr eingebaut, Gasheizungen nur unterstützend eingesetzt, um Spitzenlasten abzufangen. Steigende Kosten für fossile Brennstoffe aufgrund der CO2-Bepreisung und die Entlastung des Strompreises bieten Anreize zum Ausstieg aus Öl und Gas und machen Wärmepumpen attraktiv.

Kommunale Aktionsstellen beraten zu Umzug, Untervermietung und Wohnungstausch, um die effizientere Wohnraumnutzung zu unterstützen. Die bauliche Teilung von Einfamilienhäusern wird finanziell gefördert.

Hürden für Nutzungsänderungen und Umbauten im Bauordnungsrecht werden abgebaut. Für den Abriss von Gebäuden gilt künftig eine Genehmigungspflicht.

Neubauten verbrauchen im Betrieb keine Energie mehr (Nullenergiehaus). Die CO2-Bilanz ihres Lebenszyklus‘ überschreitet eine bestimmte Grenze nicht. Bei Beantragung der Baugenehmigung wird ein Rückbaukonzept vorgelegt.

Hürden für die Holzbauweise werden abgeschafft, nachwachsende Rohstoffe gefördert. Hersteller*innen sind verpflichtet, gebrauchte Bauteile zurückzunehmen. Quoten sichern die Verwendung von Recycling-Baustoffen. Primärbaustoffe werden besteuert, wenn Recycling-Baustoffe als Alternative zur Verfügung stehen.

75 %

der deutschen Haushalte

heizen derzeit mit Erdgas und Heizöl

47 qm

beträgt die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland

sie hat sich seit 1950 verdreifacht

250 l

heizöl

lassen sich umgerechnet einsparen, wenn man eine 11 qm Betondecke wiederverwendet

Landwirtschaft und Landnutzung

Weniger Tiere pro Fläche und die absolute Verringerung der Tierbestandszahlen leisten einen elementaren Beitrag zum Klimaschutz. Eine massive Einschränkung von Düngemitteln stärkt auch die Biodiversität.

Natürliche CO2-Senken wie Wälder, Moore und der Humus im Boden sollen wieder mehr Raum in der Landnutzung erhalten. Statt “wer viel Fläche hat, bekommt auch viel,” sollte das Motto lauten “wer viel für den Klimaschutz tut, bekommt auch viel.

CO2-EMITTENT #5

Wichtige Maßnahmen im Sektor Landwirtschaft und Landnutzung
Die Reduktion der Tierbestandszahlen wird einen elementaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Natürliche CO2-Senken wie Wälder und Moore sollen erhalten wieder mehr Raum in der Landnutzung. Der Düngemitteleinsatz wird massiv reduziert - und dadurch auch die Biodiversität erhöht.

Tierhaltung ist für rund zwei Drittel der Emissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich. Mittels Emissionshandel für tierische Produkte werden diese Emissionen durch eine schrittweise Reduktion der Zertifikatsmenge zielgenau und kosteneffizient gesenkt.

Die hohe Dichte von Tierhaltung in einigen Regionen führt zu lokalen Stickstoffüberschüssen und damit zur Freisetzung von Lachgas. Für die Rückkehr zum geschlossenen Nährstoffkreislauf wird eine betriebsbezogene Obergrenze von 1,32 Großvieheinheiten pro Hektar eingeführt.

95 Prozent der deutschen Moorflächen wurden entwässert. Das daraus entweichende CO2 macht 5 Prozent der deutschen Gesamtemissionen aus. Ein erforderliches Wiedervernässungsgebot wird durch eine Förderung der landwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Flächen begleitet.

Um den Systemwandel zu unterstützen, werden die Agrarsubventionen, die fast ein Drittel des EU-Haushalts ausmachen, neu verteilt. Statt: „Wer viel Fläche hat, bekommt viel“ lautet künftig das Motto: „Wer viel für den Klimaschutz tut, bekommt viel“.

Die Vorgaben des Ökolandbaus unterstützen Klimaschutz und Biodiversität, indem sie Flächenbindung vorsehen, den Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden reglementieren und den Fruchtfolgenanbau vorgeben, der zum Aufbau des kohlenstoffbindenden Humusgehalts im Boden beiträgt.

298 Mal

höher ist die Treibhausgaswirkung

von Lachgas im Vergleich zu der von CO2

3 kg

CO2-Emissionen pro Liter Kuhmilch

entstehen bei der Herstellung - bei Hafermilch 0,9 kg

80,1 %

der 15- bis 29-Jährigen

finden, dass die Politik für eine umweltgerechte Lebensmittelerzeugung sorgen sollte

Sektorskizzen: Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Sektorskizzen: Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Sektorskizze Energie
Sektorskizze Industrie
Sektorskizze Verkehr
Sektorskizze Gebäude und Wärme
Sektorskizze Landwirtschaft und Landnutzung
Sektorskizze CO2-Preis

Der Maßnahmenkatalog - die Grundlage für unsere Gesetzesentwicklung: alle 232 Maßnahmen für die Sektoren. So erreichen wir das 1,5-Grad-Ziel.